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Bewusst leben im Hier und Jetzt

Warum die Gegenwart so wichtig ist

Ein großer Teil unseres Denkens beschäftigt sich mit der Vergangenheit oder der Zukunft.

Wir erinnern uns an frühere Entscheidungen, beschäftigen uns mit ungelösten Konflikten oder stellen uns mögliche Schwierigkeiten vor.

Diese Fähigkeiten sind grundsätzlich wertvoll.

Sie ermöglichen Lernen, Planung und vorausschauendes Handeln.

Problematisch wird es, wenn wir gedanklich dauerhaft in vergangenen Ereignissen oder befürchteten Zukunftsszenarien gefangen bleiben.

Das bewusste Leben im Hier und Jetzt bedeutet nicht, Erinnerungen oder Zukunftspläne abzulehnen.

Es bedeutet, die eigene Aufmerksamkeit bei Bedarf wieder auf die gegenwärtige Erfahrung auszurichten.

Achtsamkeit und Metakognition

Achtsamkeit und Metakognition sind miteinander verwandt, aber nicht identisch.

Metakognition beschreibt unter anderem das Wissen über das eigene Denken sowie dessen Beobachtung und Regulation.

Achtsamkeit richtet sich auf die bewusste Wahrnehmung gegenwärtiger Erfahrungen, möglichst ohne vorschnelle Bewertung.

Beide Fähigkeiten können sich ergänzen.

Wenn wir bemerken, dass unsere Gedanken abschweifen, ist das bereits eine Form bewusster Selbstbeobachtung.

Wenn wir unsere Aufmerksamkeit anschließend wieder auf eine Tätigkeit, unseren Körper oder die Umgebung lenken, üben wir eine Form der Aufmerksamkeitsregulation.

Die bewusste Atmung

Unsere Atmung begleitet uns in jedem Augenblick.

Deshalb kann sie als einfacher Orientierungspunkt für die Aufmerksamkeit dienen.

Eine mögliche Übung besteht darin, für einige Atemzüge ruhig einzuatmen und etwas länger auszuatmen, solange sich dies angenehm anfühlt.

Dabei müssen wir keine besondere Leistung erbringen.

Wir beobachten lediglich, wie sich unser Körper während des Atmens anfühlt.

Die Aufmerksamkeit darf abschweifen.

Sobald wir dies bemerken, können wir freundlich zum Atem zurückkehren.

Menschen mit Atemwegserkrankungen, Schwindel oder unangenehmen Reaktionen auf Atemübungen sollten auf feste Atemvorgaben verzichten und eine angenehmere Form der Wahrnehmung wählen.

Gedanken wahrnehmen, ohne sie festzuhalten

Eine weitere Übung beginnt mit einem einfachen Moment der Stille.

Wir nehmen wahr, welche Gedanken auftauchen.

Anstatt jeden Gedanken zu bewerten, benennen wir ihn innerlich vielleicht als Erinnerung, Sorge, Erwartung oder Planung.

Dann richten wir unsere Aufmerksamkeit wieder auf den gegenwärtigen Augenblick.

Diese Übung verfolgt nicht das Ziel, den Geist vollständig leer zu machen.

Gedanken dürfen weiterhin auftauchen.

Entscheidend ist die Erfahrung, dass wir uns nicht mit jedem Gedanken weiter beschäftigen müssen.

Vom Grübeln zum bewussten Handeln

Wenn wir uns in einer belastenden Gedankenschleife befinden, kann eine kurze Orientierung helfen.

Was beschäftigt mich gerade?

Kann ich an der Situation in diesem Augenblick etwas verändern?

Gibt es einen kleinen, realistischen Schritt?

Wenn ja, können wir uns diesem Schritt zuwenden.

Wenn nein, können wir prüfen, ob es sinnvoller ist, uns zunächst zu erholen, Unterstützung zu suchen oder die Aufmerksamkeit bewusst auf etwas anderes zu richten.

Dabei müssen wir belastende Gefühle nicht wegdrücken.

Manchmal braucht ein Mensch vor allem Verständnis, Ruhe oder Begleitung und keine sofortige Lösung.

Weiterführende Themen

Wissenschaft und das eigene Denken · Metakognition und Resilienz · Fünf praktische Übungen für den Alltag · Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Literatur