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Das Ältere Futhark umfasst 24 Zeichen. Sein Fundmaterial stammt aus verschiedenen germanischen Sprachräumen. In Skandinavien gehört es vor allem in die Jahrhunderte vor der eigentlichen Wikingerzeit. Seine Verbreitung lässt sich nicht mit den Grenzen heutiger Staaten gleichsetzen. [3, 4]
Frühe Inschriften stehen häufig auf tragbaren Gegenständen. Schmuck, Waffen und Werkzeuge konnten einen Namen, eine Herstelleraussage oder eine kurze Formel tragen. Dass viele Texte kurz sind, bedeutet nicht, dass die Menschen nur einzelne Wörter ausdrücken konnten. Erhalten ist lediglich ein bestimmter Ausschnitt ihrer Schriftverwendung. Holz und andere vergängliche Materialien überdauern nur unter günstigen Bedingungen.
Ein aufschlussreiches Beispiel bieten die Goldhörner von Gallehus aus der Zeit um 400 nach Christus. Eines der Hörner trug eine Herstelleraussage mit einem Personennamen. Die Originale wurden 1802 gestohlen und eingeschmolzen. Ihre Überlieferung hängt daher von älteren Dokumentationen ab. Ein archäologischer Text kann also sprachlich bedeutsam sein, obwohl sein ursprünglicher Träger verloren ist. [8]
Runenreihen selbst sind ebenfalls überliefert. Der Stein von Kylver auf Gotland trägt die ältere Zeichenfolge. Solche Zeugnisse helfen, die Ordnung der Reihe zu untersuchen. Sie zeigen zugleich, dass die Gestalt und teilweise auch die Anordnung von Zeichen nicht überall vollkommen gleich waren. Unsere sauber gesetzte heutige Runentabelle ist eine Übersicht über eine Schrifttradition, nicht die Fotografie einer einzigen verbindlichen Urfassung. [7]
Die drei Aettir
Die 24 Zeichen werden gewöhnlich in drei Gruppen zu je acht Runen gegliedert. Für diese Gruppen wird die Bezeichnung Aettir beziehungsweise Ættir verwendet. In der auf Spiritual Circle beibehaltenen Reihenfolge reicht die erste Gruppe von Fehu bis Wunjo, die zweite von Hagalaz bis Sowilo und die dritte von Tiwaz bis Othala.
Die historische Gruppierung darf nicht mit einer vollständig überlieferten psychologischen Entwicklungslehre gleichgesetzt werden. Wenn moderne Bücher darin einen Weg von materiellen Grundlagen zu innerem Wachstum sehen, ist das eine heutige Interpretation. Auch die verbreiteten Namen einzelner Götter für die Gruppen sind nicht einfach ein zeitgenössischer Kommentar zu jeder frühen Runenreihe. Historische Ordnung und heutige Sinngebung können nebeneinanderstehen, wenn sie erkennbar bleiben. [6, 7]
Quellen zu diesem Thema
- [3] Riksantikvarieämbetet, Att läsa runor och runinskrifter. Schriftwandel, mittelalterliche Verwendung und spätes Weiterleben. Quelle öffnen
- [4] Universität Kopenhagen, Runology. Periodisierung und unterschiedliche Zeichenbestände. Quelle öffnen
- [6] Lex, Runer. Fachliche Übersicht zu Namen, Schriftformen und Entwicklung. Quelle öffnen
- [7] Riksantikvarieämbetet, Allmänt om runor. Frühe Reihen, Kylver und Formenwandel. Quelle öffnen
- [8] National Museum of Denmark, The Golden Horns. Gallehus, Inschrift und Überlieferung verlorener Originale. Quelle öffnen
