Zur Themenübersicht der Runengeschichte
Bindrunen verbinden zwei oder mehr Runen zu einer gemeinsamen grafischen Form. Häufig werden Stäbe geteilt. In einer konkreten Inschrift muss untersucht werden, welche Zeichen verbunden sind und welche Wörter sie schreiben. Eine Bindrune ist nicht allein deshalb ein Zaubersymbol, weil sie ungewöhnlich aussieht. [9]
Das Menota-Handbuch erläutert solche Verbindungen anhand tatsächlich dokumentierter Inschriften, darunter N 446 aus der Kirche von Tingvoll. Auch Verbindungen über Wortgrenzen hinweg kommen vor. Die Verbindung ist ein Merkmal der geschriebenen Zeichenfolge; ihre sprachliche Auflösung erfordert Kontext.
Eine heutige Bindrune kann aus bewusst gewählten Zeichen und persönlichen Bedeutungen entstehen. Das ist eine moderne Gestaltungspraxis. Ein aus den Themen Liebe, Vertrauen und Schutz zusammengesetztes Symbol wird dadurch nicht automatisch zur unverändert überlieferten Formel der Wikingerzeit. Die historische Frage lautet, wo eine entsprechende Verbindung belegt ist. Die moderne Frage lautet, was jemand mit seinem selbst gestalteten Zeichen ausdrücken möchte.
Beide Fragen haben ihren Platz. Sie verlangen unterschiedliche Antworten und unterschiedliche Nachweise.
Quellen zu diesem Thema
- [9] Odd Einar Haugen, Menota-Handbuch, Kapitel 18, Fassung 4.0 beta. Umschrift, Normalisierung, Wortgrenzen, Ligaturen und mittelalterliche Zeichen. Die Fassung ist ausdrücklich als Entwurf gekennzeichnet. Quelle öffnen
