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Bewusstsein. Was ich darunter verstehe und wahrnehme

Bewusstsein ist für mich viel größer als nur Denken. Es ist dieses innere Wahrnehmen von mir selbst, von meinem Leben und von allem, was um mich herum geschieht. Es beginnt dort, wo ich nicht mehr einfach nur funktioniere, sondern wirklich hinschaue. Was tut mir gut, was fehlt mir, was macht mich glücklich, was beschäftigt mich und warum gibt es Dinge, die mich selbst nach Jahren noch berühren. Es geht darum, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und immer wieder ehrlich zu prüfen, wo man im eigenen Leben eigentlich steht.

Viele Menschen leben Tag für Tag in ihren Abläufen. Aufstehen, Verpflichtungen, Termine, Probleme lösen, funktionieren und irgendwann wieder schlafen gehen. Aus einem Tag wird eine Woche, aus Wochen werden Monate und plötzlich sind Jahre vergangen. Man erledigt unglaublich viel und merkt manchmal viel zu spät, dass man sich selbst dabei irgendwo verloren hat. Genau deshalb finde ich es wichtig, zwischendurch wirklich hinzuschauen und sich nicht nur zu fragen, was noch getan werden muss, sondern auch, wie es einem eigentlich geht.

Mein eigenes Leben hat mir gezeigt, dass längst nicht alles planbar ist. Manche Wege sucht man sich nicht aus. Manche Veränderungen kommen, obwohl man sie niemals wollte. Es gibt Schmerzen, die nicht einfach verschwinden, nur weil genügend Zeit vergangen ist. Es gibt Einschränkungen, die einen zwingen, vieles neu zu betrachten und den Alltag anders zu gestalten. Es gibt Enttäuschungen, Abschiede und Erfahrungen, die Spuren hinterlassen. Das alles gehört zu meiner Geschichte, aber es muss nicht bestimmen, wer ich als Mensch bin.

Ich kann nicht alles verändern, was hinter mir liegt. Ich kann auch nicht jeden Schmerz wegdenken oder jede Grenze überwinden. Aber ich kann entscheiden, welchen Platz diese Dinge heute in meinem Leben bekommen. Das ist für mich ein wichtiger Unterschied. Denn wenn ich ständig nur gegen etwas ankämpfe, das längst Realität ist, verliere ich Kraft, die ich an anderer Stelle viel dringender brauche. Annehmen heißt für mich nicht aufgeben. Es heißt erkennen, was da ist, und trotzdem weiterleben.

Dazu gehört auch, ehrlich mit sich selbst zu sein. Nicht nur dann, wenn einem gefällt, was man sieht. Wir alle haben Fehler gemacht. Wir haben falsche Entscheidungen getroffen, Menschen falsch eingeschätzt, Dinge zu lange festgehalten oder manchmal zu spät losgelassen. Wir haben Ängste, Verletzungen und Seiten an uns, die wir nicht jedem zeigen. Aber genau dort liegt auch die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Was ich erkenne, kann ich verstehen. Was ich verstehe, kann ich verändern oder lernen anzunehmen. Was ich dagegen immer wieder verdränge, wird irgendwann stärker als ich selbst.

Auch der Umgang mit anderen Menschen verändert sich, wenn man genauer hinschaut. Wir sehen jemanden lachen und wissen nicht, wie es diesem Menschen wirklich geht. Wir sehen Stärke und wissen nicht, wie viel Kraft sie jeden Tag kostet. Wir erleben jemanden still und halten ihn für distanziert, obwohl er innerlich vielleicht gerade mit Dingen kämpft, von denen niemand etwas weiß. Viel zu schnell bilden wir uns eine Meinung über Menschen, deren Geschichte wir gar nicht kennen. Genau deshalb ist mir Empathie so wichtig. Wirklich zuhören, statt nur darauf zu warten, selbst wieder sprechen zu können. Einen Menschen ansehen und auch das wahrnehmen, was er gerade nicht ausspricht. Nicht sofort urteilen und nicht aus jeder Schwäche einen Fehler machen. Manchmal braucht ein Mensch keinen klugen Rat und keine Lösung. Manchmal braucht er einfach jemanden, der da ist und ihn ernst nimmt.

Mit der Zeit verändert sich auch der Blick auf die kleinen Dinge. Ein Sonnenstrahl, ein Stück Musik, ein ehrlicher Blick, ein gutes Gespräch, Natur, Ruhe, Nähe oder das Gefühl, verstanden zu werden, bekommen plötzlich einen ganz anderen Wert. Früher läuft man an vielem vorbei, weil man glaubt, die wirklich wichtigen Dinge müssten groß sein. Dabei sind es oft genau diese kleinen Augenblicke, die später in Erinnerung bleiben.

Ich habe für mich gelernt, dass das Leben nicht erst dann wertvoll wird, wenn alles perfekt läuft. Es gibt gute Tage und schwere Tage. Es gibt Momente, in denen man lachen kann, und andere, in denen man froh ist, überhaupt irgendwie durchzukommen. Es gibt Menschen, die bleiben, und Menschen, von denen man irgendwann Abschied nehmen muss. Es gibt Dinge, die heilen, und andere, die einen wahrscheinlich immer begleiten werden. Trotzdem besteht ein Leben nicht nur aus dem, was wehgetan hat.

Für mich steckt darin auch Freiheit. Nicht die Freiheit, alles tun zu können, denn das Leben zeigt einem sehr deutlich, dass es Grenzen gibt. Freiheit bedeutet für mich, innerhalb dieser Grenzen immer noch selbst zu entscheiden, wie ich mit meinem Leben umgehen möchte. Ich kann nicht bestimmen, was andere Menschen tun. Ich kann Enttäuschungen nicht verhindern und nicht jede Situation beeinflussen. Aber ich kann versuchen, mir trotz allem meine Wärme, meinen Humor, meine Gefühle und meinen Blick für das Schöne zu erhalten.

Ich möchte nicht irgendwann zurückblicken und feststellen, dass ich mein Leben nur verwaltet und irgendwie überstanden habe. Ich möchte es wahrnehmen. Mit allem, was dazugehört. Mit meiner Vergangenheit, meinen Erfahrungen, meinen Fehlern, meinen Wünschen, meinen Hoffnungen und auch mit den Dingen, die heute anders sind, als ich sie mir einmal vorgestellt habe.

Es geht für mich nicht darum, auf jede Frage eine Antwort zu haben. Viel wichtiger ist es, sich überhaupt die richtigen Fragen zu stellen und ehrlich genug zu sein, die Antworten auch zuzulassen. Manchmal gefällt einem nicht, was man dabei erkennt. Aber genau daraus entsteht Entwicklung. Das Leben beginnt nicht irgendwann später, wenn endlich alles passt. Es findet jetzt statt. Und genau deshalb möchte ich es nicht einfach nur durchleben. Ich möchte es wirklich wahrnehmen.

© MENGL ENGEL

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