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Formelwörter und die Frage nach Runenmagie

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Ein Teil früher Inschriften enthält kurze wiederkehrende Folgen. Manche stehen auf Goldbrakteaten, dünnen geprägten Goldanhängern. Ihr Zusammenhang mit Bildmotiven und ihrer Verwendung führt zu Fragen nach Religion, Schutz und Ritual. Dennoch lässt sich aus einer wiederkehrenden Folge nicht für jeden Gegenstand dieselbe Absicht beweisen.

Die Forschung diskutiert unter anderem die folgenden fünf Wörter beziehungsweise Zeichenfolgen. Ihre Erläuterungen sind keine Anleitungen mit zugesicherter Wirkung. Die wissenschaftliche Diskussion zeigt selbst unterschiedliche Gewichtungen und konkurrierende Erklärungen. [18]

Alu

Alu gehört zu den bekanntesten kurzen Folgen des älteren Materials. Die sprachliche Verbindung mit einem Wort für ein vergorenes Getränk spielt in der Forschung eine Rolle. Andere Erklärungen betonen einen kultischen oder schützenden Zusammenhang. Daraus ergibt sich keine einzige für sämtliche Funde gesicherte Übersetzung als Schutzzauber.

Für eine historische Einordnung werden Gegenstand, Lesung und Begleitumstände benötigt. Eine moderne Meditation mit alu kann eine heutige Praxis sein. Sie ist nicht der Nachweis, dass der genaue Ablauf eines frühen Rituals überliefert wäre.

LaukaR

LaukaR wird mit Lauch beziehungsweise einer entsprechenden Pflanzenbezeichnung in Verbindung gebracht. Die Schreibweise R bezeichnet dabei einen besonderen wissenschaftlich wiedergegebenen Lautwert und keinen beliebig großgeschriebenen heutigen Buchstaben.

Aus der Pflanzenbedeutung wurden Bezüge zu Wachstum, Fruchtbarkeit und Schutz entwickelt. Der Schritt von einer sprachlichen Erklärung zu einer bestimmten religiösen Funktion bleibt eine Interpretation. Er muss für den jeweiligen Befund begründet werden. Die Gleichung Pflanze gleich Heilzauber würde die Beleglage zu stark vereinfachen.

Auja

Für auja werden Bedeutungsfelder um Glück, Gunst oder Wohlergehen diskutiert. Die kurze Folge wird auch im Zusammenhang formelhafter Inschriften betrachtet. Entscheidend bleibt, wie sie in der konkreten Zeichenfolge und auf dem konkreten Gegenstand gelesen wird.

Eine vorgeschlagene Übersetzung beweist nicht, dass ein Objekt seinem Besitzer tatsächlich Glück gebracht habe. Historisch untersuchbar sind die geäußerte Vorstellung und die Verwendung des Gegenstands, nicht eine garantierte übernatürliche Wirkung.

Laþu

Laþu wird unter anderem mit Einladung oder Herbeirufen in Verbindung gebracht. Darüber hinausgehende Vorstellungen über angerufene Mächte gehören zu wissenschaftlichen Deutungsmodellen und dürfen nicht als vollständig rekonstruierter Ritualtext erscheinen.

Dass Forschende eine solche religiöse Funktion erwägen, ist eine wichtige Information. Ebenso wichtig ist die Grenze: Eine kurze Inschrift überliefert nicht automatisch Gesten, gesprochene Begleitwörter oder die Absichten aller Menschen, die einen ähnlichen Anhänger trugen.

Ota

Ota gehört zu den besonders erklärungsbedürftigen Folgen. In der Forschung werden unter anderem sprachliche Zusammenhänge mit Furcht oder Schrecken und mögliche Namenserklärungen diskutiert. Die bloße Gleichsetzung mit einem Schutzwort oder einer bestimmten Gottheit wäre zu sicher.

Gerade an ota zeigt sich, weshalb Beleg und Erklärung nebeneinanderstehen müssen. Eine Zeichenfolge kann historisch echt sein, obwohl ihre Bedeutung nicht abschließend geklärt ist. Offenheit ist hier eine sachliche Aussage und kein Mangel, der durch eine erfundene Deutung behoben werden müsste.

Quellen zu diesem Thema

  • [18] Nancy L. Wicker und Henrik Williams, 2012/2013: Bracteates and Runes. Futhark 3, S. 151-213, besonders die Diskussion S. 195-196 zu Formelwörtern und konkurrierenden Erklärungen. Verwendet als kritische Forschungsdiskussion, nicht als eindeutige Auflösung aller Inschriften. Quelle öffnen

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