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Mittelalterliche Runen: eine Schrift entwickelt sich weiter

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Mit der Ausbreitung des Christentums und lateinischer Schrift verschwanden die Runen nicht sofort. Sie wurden auch in christlichen Zusammenhängen und im Alltag weiterverwendet. Nordische mittelalterliche Runenschrift ist deshalb nicht einfach eine unveränderte heidnische Tradition. [3]

Zusätzliche Markierungen und neue Zeichen ermöglichten genauere Unterscheidungen. Ein Punkt kann aus einem älteren Grundzeichen ein anderes Lautzeichen machen. Dazu gehören etwa die Unterscheidungen k/g, i/e und t/d. Bei b/p und verschiedenen Vokalen begegnen ebenfalls ergänzende Formen. Die genaue Verwendung hängt von Region, Zeit und Schreiber ab. Es gibt kein überall einheitliches mittelalterliches Alphabet mit einem unveränderlichen Gesamtbestand. [9, 12]

Der auf Spiritual Circle verwendete Konverter zeigt eine offengelegte Auswahl von 27 Grundzuordnungen. Die folgende eigene Übersicht erklärt jeden Eintrag. Die Zeichen sind heutige Unicodeformen, die Lautangaben vereinfachte Grundwerte. Diese Werkzeugauswahl ist keine Behauptung, dass jede mittelalterliche Inschrift genau diese 27 Zeichen verwendet habe. [9, 12]

  • ᚠ, f: Fortsetzung der f-Rune. Das Zeichen erhält hier keinen neuen eigenen mittelalterlichen Orakelnamen.
  • ᚢ, u: Die u-Rune bleibt erhalten. Welche Vokale sie in einer bestimmten Inschrift bezeichnet, entscheidet der sprachliche Zusammenhang.
  • ᚤ, y: Ein differenziertes Vokalzeichen. Das y meint einen gerundeten Vokalbereich und kein beliebiges heutiges j.
  • ᚦ, þ: Fortsetzung des dentalen Reibelautzeichens. Die moderne Schreibung th ist nur seine lateinische Werkzeugumschrift.
  • ᚧ, ð: Eine besondere Form für den stimmhaften dentalen Reibelaut. Nicht jedes mittelalterliche Schriftzeugnis trennt ihn in dieser Weise vom þ-Zeichen.
  • ᚮ, o: Eine mittelalterliche o-Form. Sie darf nicht mit jeder früheren Oss-Verwendung gleichgesetzt werden.
  • ᚯ, ø: Ein eigenes Zeichen für einen gerundeten vorderen Vokal. Die Werkzeugzuordnung ist von einer phonetischen Rekonstruktion jeder Inschrift zu unterscheiden.
  • ᚱ, r: Das gewöhnliche r-Zeichen bleibt bestehen. Frühere Unterscheidungen verschiedener r-Laute entwickeln sich sprachlich weiter.
  • ᚴ, k: Das Grundzeichen der k-Reihe. Die zusätzliche g-Form ermöglicht nun eine sichtbare Unterscheidung.
  • ᚵ, g: Punktierte Erweiterung des k-Zeichens. Der Punkt ist Bestandteil der Rune, kein Worttrenner.
  • ᚼ, h: Eine weiterbenutzte h-Form. Andere historische Varianten sind damit nicht ausgeschlossen.
  • ᚿ, n: Hier ist eine Kurzastform ausgewählt. Die Auswahl erklärt eine konkrete Darstellung und keine verbindliche Einheitsform für das gesamte Mittelalter.
  • ᛁ, i: Das einfache i-Zeichen besteht fort und wird durch weitere Vokalzeichen ergänzt.
  • ᛂ, e: Eine punktierte i-Form. An diesem Paar wird die zusätzliche Differenzierung besonders deutlich.
  • ᛅ, æ: Die hier gewählte Zuordnung gehört zum mittelalterlichen Vokalsystem. Dieselbe Form kann in einer anderen Schriftstufe einen anderen Lautbereich haben.
  • ᛆ, a: Die Kurzastform für a dient in dieser Auswahl zur Abgrenzung von æ.
  • ᛋ, s: Eine weiterverwendete s-Form. Ältere und jüngere Varianten können ähnlich aussehen, ohne dieselbe zeitliche Einordnung zu beweisen.
  • ᛍ, c: Ein ergänzendes Zeichen, dessen Werkzeugwert c hier offengelegt ist. Der heutige Buchstabe c besitzt selbst keine in allen Sprachen gleiche Aussprache.
  • ᛎ, z: Eine ergänzende z-Form. Sie ist nicht einfach die unveränderte ältere Algiz-Rune.
  • ᛐ, t: Eine Kurzastform für t. Zusammen mit d zeigt sie die spätere Erweiterung gegenüber der jüngeren 16er-Reihe.
  • ᛑ, d: Punktierte Differenzierung der t-Form. Die Rune darf deshalb nicht als Wort mit einem zusätzlichen Punkt gelesen werden.
  • ᛒ, b: Die b-Rune wird in dieser Auswahl von p unterschieden.
  • ᛔ, p: Eine besondere p-Form der mittelalterlichen Erweiterung. Sie ist nicht identisch mit der älteren Perthro-Form.
  • ᛘ, m: Eine weitergeführte m-Rune. Der ältere Menschenname begründet keine zusätzliche magische Funktion dieses mittelalterlichen Zeichens.
  • ᛚ, l: Die l-Rune bleibt Teil des Zeichenbestands.
  • ᚡ, v: Eine differenzierte Form im Umfeld der f-Rune. Ihre Verwendung ist anhand der jeweiligen Inschrift zu beurteilen.
  • ᚥ, w: Eine ergänzende Form für einen w-artigen Lautbereich. Die Schreibung moderner deutscher Wörter bleibt eine heutige Umschriftkonvention.

Auch die Stellung der Zeichen kann je nach Darstellung unterschiedlich erscheinen. Eine moderne Übersicht in ABC-Reihenfolge erleichtert den Vergleich mit lateinischer Schrift, ist aber nicht automatisch eine historisch überlieferte Futhark-Reihe. Manche zusätzlichen Zeichen wurden benutzt, ohne dass die traditionelle 16er-Reihe deshalb vollständig neu geordnet wurde. [3]

Ein wichtiger Teil der Überlieferung liegt auf Holzstäbchen und anderen Alltagsgegenständen. Eine kurze Besitzangabe, eine Handelsnachricht oder eine persönliche Bemerkung konnte mit Runen geschrieben werden. Die Schrift gehörte damit nicht ausschließlich zu Monumenten, Priestern oder besonderen Ritualen. [14]

Quellen zu diesem Thema

  • [3] Riksantikvarieämbetet, Att läsa runor och runinskrifter. Schriftwandel, mittelalterliche Verwendung und spätes Weiterleben. Quelle öffnen
  • [9] Odd Einar Haugen, Menota-Handbuch, Kapitel 18, Fassung 4.0 beta. Umschrift, Normalisierung, Wortgrenzen, Ligaturen und mittelalterliche Zeichen. Die Fassung ist ausdrücklich als Entwurf gekennzeichnet. Quelle öffnen
  • [12] Andrew West, BabelStone, Anglo-Saxon und Dotted Runic Fonts. Kontrolle von Unicodeformen und Repertoire; keine Übernahme von Zeichentabellen oder Schriftdateien. Quelle öffnen und Quelle öffnen
  • [14] Bryggens Museum, Under jorden. Mittelalterliches Bergen und Alltagsüberlieferung. Quelle öffnen

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