Zur Themenübersicht der Runengeschichte
Runen sind Schriftzeichen, keine eigene Sprache. Mit ihnen wurden verschiedene germanische Sprachen und in späteren Zusammenhängen auch andere Sprachen geschrieben. Ein Runenstein ist daher nicht schon deshalb altnordisch, weil er Runenzeichen trägt. Zeit, Region und sprachlicher Inhalt müssen zusammen betrachtet werden. [1, 4]
Der Name Futhark geht auf die ersten sechs Zeichen der älteren Reihe zurück: f, u, þ, a, r und k. Das Zeichen þ steht für einen dentalen Reibelaut, wie er aus englischen Wörtern bekannt ist. Eine Umschrift mit th benutzt zwei lateinische Buchstaben für ein einzelnes Runenzeichen. Das darf nicht mit einer historischen Folge aus t und h verwechselt werden.
Bei der Arbeit mit Inschriften werden mehrere Ebenen unterschieden. Die Beschreibung des Gegenstands hält fest, was tatsächlich erhalten ist. Eine Lesung bestimmt die erkennbaren Zeichen. Die Transliteration gibt diese mit lateinischen Zeichen wieder. Eine Normalisierung bringt Wörter gegebenenfalls in eine wissenschaftlich vereinheitlichte Sprachform. Erst eine Übersetzung erklärt ihren sprachlichen Inhalt auf Deutsch oder in einer anderen Sprache. [9]
Beschädigte Zeichen, unklare Wortgrenzen und unterschiedliche Lautwerte können mehrere Lesungen ermöglichen. Ein gut erhaltenes Zeichen muss nicht bedeuten, dass der ganze Satz eindeutig verstanden wird. Umgekehrt kann der sprachliche Zusammenhang helfen, eine ungewöhnliche Zeichenform einzuordnen.
Runennamen und die Bedeutung des Sterns
Viele Runennamen lassen sich mit vertrauten Wörtern wie Vieh, Eis, Jahr oder Mensch verbinden. Die Namen halfen vermutlich beim Erinnern der Zeichen und ihrer Laute. Die frühesten vollständigen Namenslisten des Älteren Futhark sind jedoch nicht erhalten. Ältere Formen werden unter anderem durch den Vergleich späterer nordischer und altenglischer Überlieferungen rekonstruiert. Ein Stern vor einer Form, beispielsweise *fehu, bedeutet deshalb rekonstruiert und nicht unmittelbar in dieser Gestalt belegt. [5, 6]
Ein rekonstruierter Name ist eine begründete wissenschaftliche Annäherung. Er ist weder eine beliebige Erfindung noch ein unverändert überliefertes Urwort, dessen Aussprache wir vollständig kennen. Auch die heute üblichen Namen Fehu, Raidho, Kenaz oder Perthro sind moderne Benennungsformen einer komplexeren Überlieferung.
Quellen zu diesem Thema
- [1] Nationalmuseet, Hvad er runer? Grundbegriff und Entstehungsrahmen. Quelle öffnen
- [4] Universität Kopenhagen, Runology. Periodisierung und unterschiedliche Zeichenbestände. Quelle öffnen
- [5] Nationalmuseet, Runernes navne. Rekonstruktion und Vergleich der Namen. Angaben werden mit der jeweiligen Unsicherheit erläutert. Quelle öffnen
- [6] Lex, Runer. Fachliche Übersicht zu Namen, Schriftformen und Entwicklung. Quelle öffnen
- [9] Odd Einar Haugen, Menota-Handbuch, Kapitel 18, Fassung 4.0 beta. Umschrift, Normalisierung, Wortgrenzen, Ligaturen und mittelalterliche Zeichen. Die Fassung ist ausdrücklich als Entwurf gekennzeichnet. Quelle öffnen
