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Wie alt sind die Runen?

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Ein Anfang ohne bekanntes Gründungsjahr

Für die Entstehung der Runenschrift gibt es kein überliefertes Gründungsdatum und keinen sicher bekannten Erfinder. Lange dienten Funde aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus als wichtige Orientierung. Der Kamm von Vimose in Dänemark gehört zu diesen frühen Zeugnissen. Solche Gegenstände zeigen aber nur, dass Runenschrift damals bereits benutzt wurde. Sie beweisen nicht, dass sie genau zu diesem Zeitpunkt erfunden wurde. [1, 2]

Neuere Untersuchungen verändern das Bild. Bei Svingerud in der norwegischen Gemeinde Hole wurden mehrere beschriftete Sandsteinfragmente gefunden. Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung nennt für den maßgeblichen Fundkontext einen Zeitraum von ungefähr 50 vor Christus bis 275 nach Christus. Die Spanne beruht auf der archäologischen Einordnung und der Datierung zugehörigen organischen Materials. Sie ist kein auf ein Jahr genau bestimmtes Alter der Ritzungen. [2]

Die Fragmente sind deshalb bedeutend für die Diskussion über frühe Runenschrift. Sie erlauben jedoch weder die Aussage, jede Rune sei schon 50 vor Christus vorhanden gewesen, noch eine sichere Verlegung des gesamten Futhark in diese Zeit. Unterschiedliche Ritzvorgänge und die spätere Verwendung des Steins müssen berücksichtigt werden. [2]

Eine Runenschrift um 2000 vor Christus ist bisher nicht gesichert. Das wäre das 20. Jahrhundert vor Christus und damit eine wesentlich ältere Epoche. Einzelne Linien, Kreuze, Winkel oder verzweigte Zeichen auf vorgeschichtlichen Gegenständen reichen als Beweis nicht aus. Um von Schrift zu sprechen, braucht es nachvollziehbare Beziehungen zwischen Zeichen, Sprache und wiederholbarer Verwendung.

Ältere Zeichen und mögliche Vorbilder

Menschen verwendeten schon lange vor den Runen Zeichen. Dazu gehören Bilder, Besitzmarken, Zählzeichen und unterschiedliche Schriftsysteme. Nicht jedes Zeichen war dafür bestimmt, gesprochene Wörter wiederzugeben. Eine Ähnlichkeit im Aussehen allein beweist deshalb weder Abstammung noch gemeinsame Bedeutung.

Die Runenschrift steht nach heutigem Forschungsverständnis im Zusammenhang mit den Alphabeten des Mittelmeerraums. Besonders das lateinische Alphabet wird als wichtige Vorlage diskutiert; ältere Forschungsmodelle betonten auch norditalische Alphabete. Die genaue Vermittlung ist nicht in allen Einzelheiten geklärt. Kontakte zwischen germanischsprachigen Gemeinschaften und der römischen Welt liefern einen plausiblen historischen Rahmen. [1, 3]

Die Vorstellung einer uralten, über Jahrtausende unverändert bewahrten Runenschrift ist davon zu unterscheiden. Sie gehört zu bestimmten späteren Herkunftserzählungen. Wissenschaftlich lässt sich eine solche lückenlose Überlieferung nicht nachweisen.

Die Entwicklung im zeitlichen Überblick

Die Zeiträume überschneiden sich. Eine ältere Form konnte an einem Ort weiterbestehen, während andernorts bereits anders geschrieben wurde. Die Übersicht beschreibt Entwicklungen und keine überall gleichzeitigen Wechsel. [3, 4, 12]

Geschichtlicher Überblick
Zeitraum Historische Einordnung
Frühe Jahrhunderte um die Zeitenwende Entstehung und frühe Verwendung bleiben Gegenstand der Forschung. Svingerud liefert einen breit datierten Fundkontext, kein genaues Erfindungsjahr.
Besonders zweites bis siebtes Jahrhundert nach Christus Zahlreiche frühe Zeugnisse gehören zum Älteren Futhark mit 24 Zeichen. Übergänge reichen regional darüber hinaus.
Etwa fünftes bis elftes Jahrhundert Angelsächsische und friesische Entwicklungen erweitern die ältere Schrifttradition. Unterschiedliche Futhorc-Bestände sind überliefert.
Achtes bis elftes Jahrhundert Das Jüngere Futhark mit 16 Grundzeichen prägt die skandinavische Wikingerzeit. Langzweig, Kurzast und stablose Formen gehören in diesen Zusammenhang.
Besonders elftes bis fünfzehntes Jahrhundert Mittelalterliche Runenschrift wird weiterentwickelt und neben lateinischer Schrift verwendet. Die regionalen Verläufe unterscheiden sich.
Frühe Neuzeit bis an den Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts Bestimmte regionale Traditionen, darunter Dalrunen, leben fort. Gelehrte untersuchen und sammeln zugleich ältere Denkmäler.
Zwanzigstes Jahrhundert bis heute Wissenschaftliche Forschung, moderne spirituelle Praxis, politische Vereinnahmung und digitale Vermittlung bilden unterschiedliche Formen der Beschäftigung mit Runen.

Quellen zu diesem Thema

  • [1] Nationalmuseet, Hvad er runer? Grundbegriff und Entstehungsrahmen. Quelle öffnen
  • [2] Steinar Solheim und Mitautoren, 2025: Inscribed sandstone fragments of Hole, Norway: radiocarbon dates provide insight into rune-stone traditions. Antiquity 99, S. 422-439. Datierung und Interpretation der Hole-Fragmente. Quelle öffnen
  • [3] Riksantikvarieämbetet, Att läsa runor och runinskrifter. Schriftwandel, mittelalterliche Verwendung und spätes Weiterleben. Quelle öffnen
  • [4] Universität Kopenhagen, Runology. Periodisierung und unterschiedliche Zeichenbestände. Quelle öffnen
  • [12] Andrew West, BabelStone, Anglo-Saxon und Dotted Runic Fonts. Kontrolle von Unicodeformen und Repertoire; keine Übernahme von Zeichentabellen oder Schriftdateien. Quelle öffnen und Quelle öffnen

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